Ein Spiel gegen Unzufriedenheit

Das Was-ist-schön-Spiel

Jeder von uns kennt lästige Situationen, denen man nicht ausgesetzt sein möchte. Zum Beispiel jegliche Form des Wartens oder in einer Umgebung/Gesellschaft sein, die man nicht mag.

Solche Situation können einen ziemlich wütend machen. Man will nicht da sein, wo man ist, da das aktuell aber nicht anders möglich ist, wird dieser Umstand noch unerträglicher.

Es wird einem oft geraten, in solchen Momenten Dankbarkeit zu praktizieren. Sich an das zu erinnern, wofür man dankbar ist, weil dann die Wut verschwindet. Das funktioniert, allerdings flüchtet man durch diese Übung aus dem Moment, das was du eigentlich sowieso möchtest. Du denkst an deine Familie, dein Zuhause, deine Tiere oder für was auch immer du dankbar bist. Das ist nicht falsch – ganz und gar nicht, aber die Kunst liegt doch vor allem darin, das, was ist, anzunehmen und zu akzeptieren. Die Situation so, wie sie ist.

Und ich habe für mich ein Spiel entdeckt, das genau darauf abzielt.

Ich muss mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Stunde ins Geschäft fahren mit zwei Mal umsteigen. Das kann ziemlich auf die Nerven gehen. Vor allem im Winter. Wenn du Bus oder Bahn fährst, weißt du, was ich meine:

  • Zugausfälle
  • Zug verpasst
  • WARTEN
  • keinen Sitzplatz bekommen
  • Im Gedränge stehen

Vor kurzem musste ich knapp eine dreiviertel Stunde bei Minusgraden auf den Bus warten. Es war wirklich ärgerlich. Um mich durch ein wenig Bewegung etwas „aufzuwärmen“, lief ich um das Bahnhofsgebäude herum und fragte mich, wie ich die Zeit des Wartens sinnvoll nutzen kann. Oft schreibe ich Blogbeiträge oder beantworte E-Mails, wenn ich warten muss, aber dazu war es mir zu kalt und Lust hatte ich auch nicht so recht, über einen Beitrag nachzudenken.

So stellte ich mir dir Frage: was ist schön? Und durch diese Frage öffnete sich mein Blick plötzlich für alles um mich herum. Ich sah den zum Teil matschigen Schnee neben mir (nicht schön) und doch die zwar wenigen aber vorhanden Stellen, an denen noch Schnee lag. Ich wählte den Weg über diese Stellen. Ich hörte das Knacken des Schnees und spürte ihn unter meinen Füßen. „Das finde ich schön“, dachte ich.

Ich suchte weiter.

Ich sah einen Baum am Straßenrand, der im gelben Laterneschein eine zauberhafte Ausstrahlung bekam. Auch das fand ich schön. Mein Blick überflog die Gegend. Ich betrachtete die Dinge und überlegte, ob ich etwas Schönes darin entdecken konnte.

Ich habe mit wachen Augen Schönheit gesucht.

So lange hat es dann gar nicht mehr gedauert, bis der Bus kam. Ich war beschäftigt – und zwar in der Gegenwart. Alles, was du in der Gegenwart mit Aufmerksamkeit tust, ist von einer Bewusstheit geprägt, die die Zeit erfüllter macht und dadurch oft wie im Flug vergehen lässt.

Wann immer ich nun in Situationen komme, in denen ich anfange unzufrieden zu werden, denen ich ausgesetzt bin, aber nicht ausgesetzt sein möchte, spiele ich dieses Spiel. Es macht richtig Spaß. Bevor ich mich dazu entscheide zu leiden und mich selbst zu bedauern, versuche ich mich zu stoppen und aus diesem negativen Denken heraus zu holen.

Ich sage mir: nein! Hör auf damit! Selbst schuld, jetzt musst du spielen: Was ist schön?“ Und schwupps bin ich in der Gegenwart gelandet und kann mich gar nicht mehr ärgern, weil ich damit beschäftigt bin, schöne Dinge zu suchen.

Auch wenn du auf den ersten Blick glaubst, es gibt nichts Schönes, kannst du das so ziemlich überall spielen. Du kannst im Bus sitzen und dich fragen, ob der Sitzbezug schön ist, oder am Bahnhof, ob die Werbung, die dort hängt, schön gemacht ist. Ob dir die Farben von Gegenständen in deinem Sichtfeld gefallen, an was sie dich erinnern. Ein dunkles Blau wie der Nachthimmel oder ein Gelb, das dich an Sonnenblumen erinnert? Oder doch eine Farbe, die dich an etwas erinnert, was dir nicht so gut gefällt? Du kannst dich fragen, ob du die Form einer Lampe oder ein anderes Design schön findest. Du kannst auch die Menschen betrachten. Gefällt dir die Mütze, die jemand an hat, die Jacke oder die Schuhe?

Ich bin gespannt wie dir das Spiel gefällt und ob es für dich auch so einen positiven Nutzen hat wie für mich.
Erzähl mir doch davon oder von deiner Strategie :)

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4 thoughts on “Ein Spiel gegen Unzufriedenheit”

  1. Hallo Zusammen, durch meine Behinderungen bedingt bin ich es gewohnt auch mal länger zu warten bis zum Beispiel mein Fahrdienst kommt. Manchmal habe ich Phasen, wo das etwas anstrengend ist und ich mir wünschen würde selbst einfach ins Auto steigen und losfahren zu können. Ich mache es aber dann immer so, dass ich die Zeit nutze, um zum Beispiel in Ruhe nachzudenken, mich auszuruhen und abzuschalten und ich höre sehr viel auf die Geräusche meiner Umgebung und habe es schon oft erlebt, dass sich nette Gespräche mit anderen Menschen entwickelt haben. Da ging dann die Zeit auch schnell vorbei ;:-). LG, Sonnenschein

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