Selbstfürsorge – so wichtig ist sie (Selbstfürsorge Teil 1)

Wie du dir die Bedeutung von Selbstfürsorge durch einen Gedanken bewusst machst

Wenn es um Fürsorge geht, denken wir meistens an Kinder, denen diese Fürsorge zuteil wird. Kinder sind jung, unerfahren und unselbstständig und deswegen von den Erwachsenen abhängig. Sie brauchen jemanden, der die Verantwortung für sie übernimmt und dafür sind, wenn möglich, die Eltern da. Sie betreuen und sorgen für sie.

Im besten Falle wie um eine Pflanze:

Man sorgt für den besten Boden, man achtet auf ihre Bedürfnisse und geht mit Umsicht und Zartheit auf sie ein. Man bewässert sie, wenn sie durstig ist und gibt ihr einen Platz an der Sonne, wenn sie danach verlangt. Man sorgt für frische Luft und ein Klima, das ihr gut tut. Man schafft ihr den Raum, der sie in ihrem Wachstum unterstützt.

So tragen die Eltern die Verantwortung für die Kinder und kümmern sich liebevoll um sie, bis sie alt genug sind, ihren eigenen Weg zu gehen. Die Väter und Mütter haben bestmöglich versuchst, ihre Kinder auf diesen Tag vorzubereiten und übertragen die Verantwortung für sie nun auf sie selbst.

Selbstfürsorge tragen

Selbstfürsorge heißt, Verantwortung tragen

Auch du wurdest irgendwann in die Freiheit entlassen, weil du alt genug warst, um auf dich selbst aufzupassen. Vielleicht wurde dir diese Verantwortung so richtig bewusst, als du aus dem Elternhaus ausgezogen bist. Du hast dich frei gefühlt und große Lust dazu gehabt, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und für dich selbst zu sorgen.

Erinnerst du dich an diesen Augenblick?

Bei vielen Menschen verschwindet dieses Verantwortungsgefühl jedoch nach einiger Zeit. Nicht bewusst, sondern viel mehr unbewusst. Auf der Suche nach dem Platz in der Gesellschaft, nach Anerkennung und Bestätigung, lassen wir uns oft lenken von dem, was sich gehört, was andere uns vorschreiben oder wie sich die Umstände ergeben. Wir fügen uns und passen uns an, lassen uns drängen und schieben, um irgendwo anzukommen.

Und manchmal landen wir gar nicht dort, wo wir eigentlich hin wollten:

  • An einem Platz, an dem wir uns nicht wohlfühlen
  • In einer Beziehung, die uns nicht gut tut
  • An einem Ort, der uns nicht atmen lässt

Auch wenn uns das nicht bewusst ist, haben wir uns selbst dort hingebracht.

Weil wir auf der Suche nach unserem Platz, uns selbst und unser Leben von anderen und anderem abhängig gemacht haben: Von Normen, Regeln, Vorschriften. Von Traditionen und der Gesellschaft. Von Menschen und Beziehungen, vom Lauf des Schicksals und der Umstände. Wir wollten uns finden und haben uns vielmehr verloren.

Und haben damit begonnen, unser Grab zu schaufeln.

Denn mit jeder Abhängigkeit gibst du die Verantwortung für dich und dein Leben ab an den oder das, von dem du dich abhängig gemacht hast. Und mit der Verantwortung verschwindet die Selbstfürsorge, denn die kann ohne Verantwortung nicht getragen werden. Und ohne Selbstfürsorge läufst du Gefahr, unglücklich zu werden, weil du nicht mehr gut für dich sorgst.

Unglücklichsein ist Zeichen für mangelnde Selbstfürsorge

Wenn du momentan unglücklich im Leben bist, in einem länger andauernden Zustand des Unglücklichseins bist – im Job, in der Beziehung, im privaten Umfeld, dann möchte ich gerne von dir wissen:

Wann genau hast du die Verantwortung für dich losgelassen?
Jene Verantwortung für dich, die man dir damals vertrauensvoll übergeben hat oder die du übernehmen wolltest.

Wann hast du dich abhängig gemacht – von anderen oder anderem?
Und damit die Sorge für dich auf andere übertragen?

Nur durch Eigenverantwortung ist Selbstfürsorge möglich. Und wenn du glücklich sein willst, dann ist es wichtig, dass du erkennst, wie bedeutend Selbstfürsorge ist.

Wie der Gedanke an eine Pflanze dir die Bedeutung von Selbstfürsorge bewusst machen kann

Stell dir vor du bist jene Pflanze, die ich anfangs beschrieben habe und die deine Eltern großgezogen haben. Auch wenn du glaubst, dass du alt genug bist und keine Fürsorge mehr brauchst, bist du immer noch die Pflanze. Und eine Pflanze kann ohne gute Pflege nicht gut leben. Gibst du mir da Recht?

Stell dir also vor.

Du bist die Pflanze und die Person, die für das Leben dieser Pflanze verantwortlich ist.

Damit sie gut gedeihen und vor allem blühen kann, musst du wissen, was sie für Bedingungen braucht und welche Bedürfnisse sie hat:

  • sie braucht ausreichend Wasser, um Lebensenergie zu haben
  • sie braucht frische Luft zum Atmen
  • sie braucht gesunden Boden, um Stärke und Halt zu finden
  • sie braucht ausreichend Licht, um in die Höhe zu streben
  • sie braucht eine angenehme Temperatur, um sich wohl zu fühlen
  • sie braucht ausreichend Platz, um sich zu entfalten

All das muss stimmen, damit die Pflanze ihre bestmögliche Entfaltung zeigen kann. Damit sie kraftvoll und stark sein kann, gesund bleiben und groß werden kann.

Wenn der Boden nicht gut ist, wird der Halt der Pflanze unsicher werden, weil die Wurzeln nicht greifen können. Wenn nicht genug Wasser da ist, wird sie nicht wachsen, werden ihre Stiele nicht austreiben können, weil ihr im Inneren wortwörtlich der Lebenssaft fehlt. Ihre Blätter werden stumpf und schwach werden und sie anfällig für Krankheiten sein. Wenn sie im Dunkeln steht und Licht bräuchte, wird sie verkümmern, wenn du nichts an ihrem Stand änderst.

Wenn ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, ist ihr Leben in Gefahr.

Weißt du noch, dass du diese Pflanze bist? Und die Person, die für das Leben dieser Pflanze verantwortlich ist? Wenn du nicht gut für sie sorgst, siehst du ihr das an und somit dir. Wenn du ihre Bedürfnisse nicht erfüllst, verliert sie Energie und somit du. Wenn du ihr nicht den Raum schaffst, den sie braucht, verkümmert sie und somit du.

Dieser bildliche Vergleich kann dir helfen, dich aus einer anderen Perspektive zu sehen und dich erkennen zu lassen, ob du ausreichend für dich sorgst, deine Bedürfnisse achtest und sie erfüllst.

Wie sieht denn deine Pflanze aus?
Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um das zu überlegen:

  • Hast du den richten Boden, gute Luft und ausreichend Licht?
  • Kümmerst du dich um deine Bedürfnisse und pflegst dich?
  • Gehst du sorgsam mit dir um und schaffst dir die Bedingungen,
    die du gerade brauchst?
  • Wenn die Atmosphäre zu negativ ist, sorgst du für eine andere?
  • Wenn du erkennst, dass der Boden nicht der richtige ist, verpflanzt du dich dann?
  • Wenn dein Platz zu dunkel ist, stehst du auf und stellst dich ins Licht?
  • Wenn dein Ort zu klein ist, suchst du dir einen, an dem du Raum hast,
    um dich zu entfalten?

Selbstfürsorge tragen

Wie mir dieser Vergleich zeigte, dass ich meine Selbstfürsorge aufgegeben hatte

Ich persönlich habe das Gefühl, dass ich momentan in einem Umfeld stehe, dessen Luft mich nicht atmen lässt. Ich versuche Wurzeln zu schlagen und treffe auf trockenen und harten Boden. Ich möchte Licht und Wärme und werde vom kalten Wind erschlagen. Ich möchte mich wohlfühlen, aber spüre nur negative Energie, aus der ich keine Kraft ziehen kann.

Dort, wo ich bin, geht es mir nicht gut. Ich habe keinen guten Nährboden, um zu wachsen, ich habe nicht ausreichend Licht, um Kraft zu tanken und kein Klima, das mein Wachstum begünstigt.

Ich gehe ein, wenn ich nicht anfange, mich um mich selbst zu sorgen.

Ich muss mich versetzen.

Und das werde ich auch tun.

Das erfordert Entscheidungen, Mut und Verantwortung. Risiko und Herausforderung.
Aber alles ist es wert, bevor meine Pflanze durch meine mangelnde Pflege eingeht.

Übernimm Selbstfürsorge

Nicht nur Kindern muss man Fürsorge zukommen lassen, sondern auch sich selbst. Leider vergisst man das mit zunehmendem Alter immer mehr.

Stell dir deshalb vor, du bist die Pflanze und die Person, die für das Leben dieser Pflanze verantwortlich ist.

Dieser Gedanke kann dir dabei helfen, die Wichtigkeit der Selbstfürsorge wieder bewusst zu machen und dich dazu bringen, die Verantwortung für dich und dein Wohlbefinden zu übernehmen.

Mir hat er geholfen, besser zu erkennen, ob das, was ich tue und ob dort, wo ich platziert bin, für mich die idealen Bedingungen sind, um zu wachsen und Wurzeln zu schlagen. Um zu sagen: hier finde ich passenden Boden, um mich zu entfalten, zu lernen und stark zu werden. Nicht ganz ohne Widerstände, die sind auch nötig zum Wachsen, aber auf annehmbare Weise.

Schaffe dir

  • den Raum, den du zum Entfalten brauchst
  • ausreichend Licht, das dich wachsen lässt
  • ausreichend Wasser, das dir Energie gibt
  • einen gesunden Boden, in dem du Halt findest
  • eine angenehme Atmosphäre, in der du dich wohlfühlst

So wirst du erblühen und zu der Pflanze gedeihen, die schon immer in dir gewohnt hat.

Mich würde sehr interessieren, wie deine Pflanze aussieht. Hast du dir einen guten Ort herausgesucht, um zu leben?

Nächste Woche zeige dir auf, wie du Selbstfürsorge lernen kannst.


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2 thoughts on “Selbstfürsorge – so wichtig ist sie (Selbstfürsorge Teil 1)”

  1. Liebe Bettina,

    wieder ein ganz toller und sehr treffender Artikel – vielen Dank dafür! Meiner Pflanze geht es wohl ähnlich wie deiner – ich hab leider nicht den besten Boden und werde hier wohl nicht wurzeln können (wollen), mir fehlt gute Luft und ich vermisse besseres Licht, genauso wie die schöne Natur und Ruhe, ich fühle mich beengt und somit kann ich mich kaum entfalten und die Energie fließt rasch ab.

    Ich bin eben keine reine Stadtpflanze, das hat sich beruflich so ergeben und als ich es ändern wollte, hab ich die Erfahrung gemacht, dass sich HR-Manager mehr für meine ev. Familienplanung als für meine Fähigkeiten, Ausbildungen und Erfahrungen interessierten. Das war wohl der Zeitpunkt in dem ich mich „abhängig“ gemacht habe.

    Zumindest hab ich die Möglichkeit mich an Wochenenden und freien Tagen zu „verpflanzen“, allerdings ist dies mit einem großen Zeitaufwand und manchmal auch Stress verbunden – wieder so ein Energiethema …

    Ich weiß, dass nur ich gut für mich sorgen kann und es auch will, manchmal fühle ich mich allerdings zu kraftlos und zu müde und genau das lässt erneut Energie abfließen. Aber ich arbeite daran, denn es ist wunderschön zu wachsen und zu blühen und der Frühling ist meine liebste Jahreszeit :-)!

    Ich freu mich auf weitere klasse Artikel – bis dahin alles Liebe für dich und deine Pflanze!

    1. Liebe Alexandra,

      schön wieder von dir zu lesen! Ich danke dir für das Lob und deine offenen und ehrlichen Worte. Ich kann mich sehr gut in deine Pflanze und deine Situation hineinfühlen. Jeder biegt mal falsch aber, aber das Wichtigste ist – und das scheint bei dir der Fall – dass du den Lebenswillen nicht verlierst und für deine Pflanze sorgen willst. Auch wenn das nicht immer einfach ist.

      Ich bin abhängig von finanzieller Sicherheit und muss daher noch eine Weile dieses Klima ertragen oder für mich erträglich machen, weil eine Verpflanzung nicht so schnell möglich ist, wie ich das gerne hätte…

      Oh ja der Frühling ist toll! Alles lebt und grünt und wächst. Da bekommt man eine große Portion Kraft geschenkt :)

      Auch dir und deiner Pflanze alles Liebe und Gute! Bis bald!

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