In der Höhle des Löwen – Mit Respektlosigkeit umgehen

Wie ich lernte, mit Respektlosigkeit umzugehen

Heute wird es persönlich, denn heute erzähle ich dir von meiner belastenden Zeit in einem Job, in dem ich respektlos behandelt wurde. Diese Erfahrung hat mir mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, im Einklang mit sich zu leben.

Leider ist ein respektloser Umgang in unserem Leben alltäglich geworden. Das fängt zu Hause im engsten Kreis an, wenn sich die Partner oder Kinder gegenseitig anschreien und hört im Geschäftsleben auf. Manche Menschen neigen dazu, aus Angst oder der scheinbar ausweglosen Situation, sich diesen Umgang gefallen zu lassen und stecken deswegen oft sogar jahrelang in leidenden Situationen fest.

Was du dir damit antust, wenn du dir Respektlosigkeit gefallen lässt und wie du für dich einstehen und zu deinem inneren Frieden zurück finden kannst, möchte ich dir an meinem persönlichen Beispiel zeigen.

Die Höhle des Löwen – Respektlosigkeit erkennen

Im Allgemeinen wird Respekt als Wertschätzung, Achtung und Anerkennung einer anderen Person gegenüber verstanden. Respektlos ist demnach jemand, der im Umgang mit einem anderen keine Wertschätzung und Achtung aufbringt. Und trotzdem ist Respektlosigkeit in gewisser Weise Definitionssache. Nicht jeder hat den gleichen Toleranzbereich und was für den einen respektlos ist, kann für den anderen normal sein. Daher ist es wichtig, für dich selbst zu erkennen, welcher Umgang für dich inakzeptabel ist.

  • Beleidigungen
  • Belästigungen
  • Demütigungen
  • Anschreien
  • befehlender Umgangston
  • Übergangen werden
  • Gewalt – seelische wie körperliche
  • Grenzen überschreiten (Intimsphäre / Intimzone)

Was inakzeptabel ist, erkennst du in der Regel an deinen Gefühlen, die dieser Umgang hervorruft:

  • Du wirst wütend oder bist empört
  • Du fühlst dich schwach und machtlos
  • Du fühlst dich unterdrückt
  • Du fühlst dich unwohl
  • Du fühlst dich ausgenutzt / benutzt
  • Du bist ängstlich

Aus diesen Gefühlen heraus wächst die Macht der Person über dich, die dich respektlos behandelt. Denn je mehr du dir den Umgang gefallen lässt, desto größer werden diese Gefühle und je mehr du sie zulässt, desto größer wird deine Angst gegenüber der Person. Und je größer die Angst, desto größer die Macht, die diese Person über dich hat.

Wenn Respektlosigkeit an Unterdrückung und Mobbing grenzt, ist es besonders wichtig, für dich selbst einzustehen, damit du nicht an den Folgen der Demütigung zerbrichst.

Ich wurde von meinem Chef respektlos behandelt und habe die Folgen deutlich zu spüren bekommen. Ich habe gemerkt, wie schwer es sein kann, für sich einzustehen und wie wichtig es im Leben ist, zu seinem inneren Frieden zurück zu finden.

Wie ich den Löwen weckte

Ich erwarte keine besondere Aufmerksamkeit oder einen besonderen Umgang in meinem Job, ich erwarte aber einen gewissen Respekt. Mein ehemaliger Chef hat davon leider nicht viel mitgebracht und gerne seine Machtposition auf unangenehme Art deutlich gemacht – sowohl im Umgang mit seinen Mitarbeitern als auch mit Kunden.

Zudem ist er Choleriker. Wenn etwas nicht so läuft, wie es ihm gefällt, verliert er oft die Fassung. In diesem Zustand wird er beleidigend und sehr laut.

Als ich beispielsweise einen Sonntagszuschlag einforderte, der mit laut Vertrag zustand (zwei freie Tage für einen Sonntagsdienst, den ich geleistet hatte) ist er von jetzt auf gleich explodiert. Ich wurde angeschrien und beleidigt, dass das noch nie so gemacht worden sei und nie so gemacht werden wird und ich nicht zu glauben brauche, dass meine Arbeit so gut sei, dass ich diese Forderung stellen könne. Mir wurde mit der Kündigung gedroht, wenn ich es wage, diesen Zuschlag einzufordern.

Es war meistens so: Sobald man seine Macht angriff, seinen Status (auch wenn das auf respektvolle Art war), demonstrierte er, dass er am längeren Hebel sitzt. Wenn ich mit einem Kunden telefonierte, betrat er oft lautstark redend das Büro und sprach mit meiner Kollegin. Wenn ich ihn höflich gebeten habe, etwas leiser zu sein, da ich den Kunden am Telefon wirklich kaum verstand, wurde er erst richtig laut.

Hinzu kam, dass er mir persönlich viel zu nahe kam. Er berührte mich ständig am Arm, Schulter oder der Hand immer dann, wenn ich in seiner greifbaren Nähe war. Er bot mir gleich am ersten Arbeitstag das „Du“ an, was ich ablehnen wollte, jedoch verlangte er, dass ich es mit dem „Du“ versuche. Aussagen wie „von dir würde ich mich auch gern mal Mund-zu-Mund beatmen lassen“ durfte ich mir auch anhören. Er machte grundsätzlich über andere – vorzugsweise seine Mitarbeiter – schlechte und niveaulose Witze, über die er am lautesten lachte.

Um nur mal ein paar wenige Beispiele herauszugreifen.

Erweise dir selbst Respekt

Wie ich mich in der Höhle des Löwen fühlte

Ich habe mich sehr unterdrückt gefühlt. Ich habe mir einen Umgang gefallen lassen, der mir im Inneren unsagbar widerstrebte und der sich auf mein ganzes Leben ausgewirkt hat.

Mein Arbeitsalltag war geprägt von Unwohlsein, von Angst, von Gedanken, die ich mit nach Hause geschleppt habe. Ich hatte Schlafprobleme und innere Unruhe. Ich habe von meinem Chef geträumt und auch an den Wochenenden immer Szenen im Kopf gehabt, die ich im Geschäft erlebt hatte.

Mein Chef wurde Gegenstand meines Privatlebens. Ich habe oft geweint, weil ich nicht wusste, wie ich die Zeit ertragen soll. Denn sobald ich mich wehrte, bzw. für mich einstand, bekam ich die doppelte Ladung Widerstand zurück.

Die Ratschläge der anderen

Ich sprach das Problem bei vertrauten Kollegen an und versuchte, Antworten zu finden, wie ich damit umgehen soll:

  • „So ist er, du wirst dich dran gewöhnen.“
  • „Mach dir nichts draus, er bringt auch andere zum Heulen.“
  • „Leg dir n dickes Fell zu.“
  • „Brauchst du bei ihm nicht versuchen, du hast eh keine Chance gegen ihn.“
  • „Ignoriere ihn einfach.“

Alle schienen Angst vor ihm zu haben. Alle rieten mir, mich zu fügen. Selbst der Betriebsrat und der Personalchef. Dieser erinnerte mich daran, dass ich in der Probezeit sei und ich bestimmt mal mehr Gehalt möchte. Demnach soll ich mir überlegen, ob ich den Zuschlag für den Sonntagsdienst einfordern möchte. Er meinte zudem, ich hätte schon „genug Porzellan zerbrochen und er weiß nicht, ob sich das wieder kleben lässt.“

Ich wollte mich nicht daran gewöhnen und mich fügen. Ich wollte nicht so schrecklich stumpf und leblos werden wie die ganzen Kollegen und mir diesen Umgang gefallen lassen.

In meinem privaten Umfeld riet man mir Folgendes:

  • „Provoziere es und lass dich rausschmeißen, dann kriegst du wenigstens Arbeitslosengeld.“
  • „Lass dich krankschreiben.“
  • „Halt das durch, bis du was anderes hast. Arbeitslos zu sein ist nicht gut.“

Provozieren wollte ich es nicht. Zumindest nicht, ohne meinen Respekt zu bewahren. Das war einfach nicht meine Art. Und krankschreiben könnte bis zur Kündigung dann eine Lösung sein, aber danach musste es ja weitergehen. Ich wollte nicht davon laufen, sondern eine Lösung!

Von erkennen kommt Erkenntnis

Da ich gezwungen war, mich mit dem Verhalten meines Chefs auseinander zu setzen, fragte ich mich, was hinter seinem Verhalten steckt (kein Mensch kommt mit einer solchen Art auf die Welt). Ich hatte Angst vor ihm, bis mir klar wurde, dass er Angst vor mir hat. Beziehungsweise durch mich. Er hat ein schwaches Ego, denn für mich gilt: Wer andere klein macht, um sich besser darzustellen, hat ein Problem mit seinem Selbstwert. Er fühlt sich durch mich angegriffen, sieht seine Macht verloren gehen, weil jemand Widerstand leistet, sich nicht fügen will und geht daraufhin mit Aggression gegen den los, von dem er sich angegriffen fühlt.

Dieses Verständnis nahm mir ein wenig die Angst vor ihm.

Ich habe mal gelesen, dass sich Angst oft durch Aggressivität oder Unterwürfigkeit offenbart. Dass das zwei Seiten ein und desselben Problems sind. Mein ehemaliger Chef nutzte seine Angst als Antrieb, ich habe mich eher unterworfen. Als ich das erkannte wollte ich es ihm aber gleich tun und die Angst ebenfalls als Antrieb nutzen, um für mich einzustehen.

Trotzdem gab es eine Frist für mich. Ich hatte mich entschieden, die Probezeit durchzuhalten, zu versuchen, mit der Situation klar zukommen und mich währenddessen nach einem anderen Job umzusehen. Wenn ich innerhalb dieser Zeit keinen Job finden würde, wollte ich trotzdem gehen – kündigen – weil mir klar war, dass ich dieses Umfeld psychisch nicht aushalte.

Eine letzte Frist gab ich mir noch und damit die Chance, nicht einfach mit nichts dazustehen.

Warum ich nicht gleich geflüchtet bin

Flüchten ist einfach. Es ist der leichteste Weg und ja, ich bin ebenfalls der Meinung, unangenehmen Situationen, die nicht tragbar sind, zu entfliehen. Aber ich glaube auch, dass schwierige Situationen zum Lernen da sind.

  • Innere Widerstandskraft
  • Gelassenheit
  • um tieferliegende Probleme zu erkennen
  • Geduld
  • Vertrauen

Vielleicht auch letzten Endes, um den Mut aufzubringen, sein Leben in die Hand zu nehmen und für sich den Weg zu wählen, der einem gut tut. Um zu lernen, selbstbestimmt zu leben.

Flucht ist okay, aber du steigert dein Selbstbewusst sein nur, wenn du dich verteidigst – und dann „flüchtest“. Weil du dann nicht blindlings deiner Angst gefolgt bist und damit deinem Gegner die Macht überlassen hast, sondern weil du für dich gekämpft hast. Für den Frieden in dir und um dich und damit die Verantwortung für dein Leben übernommen hast.

Das lässt dich gestärkt aus der Situation hervorgehen, wie auch immer sie ausgegangen ist.

Ich habe auch nicht zu lange mit dem Gegenangriff gewartet. Denn ich habe gemerkt, je mehr ich mich zurückziehe, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich gar nicht mehr angreife. Weil ich ängstlicher werde, eingeschüchterter und der Mut, für mich einzustehen, meiner Angst weichen würde. Und dann würde ich stumpf werden. Mir Dinge gefallen lassen, die ich mir nicht gefallen lassen will. Dann wäre ich so entsetzt über mich, wie ich es über die anderen Kollegen bin, weil sie sich dieses Verhalten gefallen lassen.

Wie ich in der Höhle des Löwen überlebte

Mein Wunsch war, Frieden zu finden und zwar nicht durch sofortiges Gehen sondern durch einen bestmöglichen Umgang mit der Situation.

Ich stand vor der Wahl:

  1. Mich fügen, mir Leid zufügen und ihn in seiner Macht unterstützen oder
  2. mir mein Leid nehmen, mich verteidigen und die Angst in ihm wecken, seine Macht zu verlieren.

Da mich mehr belastete, mich respektlos behandeln zu lassen, entschied ich mich dafür, für mich einzustehen und meine Seele vor den Verletzungen zu schützen.

Ich wollte mich meiner Angst stellen. Mich verteidigen. Mutig sein und stark werden. Es war der schwierigere Weg. Definitiv. Aber in diesem Fall glaube ich dem Spruch: Es kommt die Zeit, da musst du dich entscheiden, welchen Weg du gehen willst: Denn leichten oder den richtigen.

Und so habe ich es geschafft:

  • Meinen inneren Halt finden

An dem Zeitpunkt, an dem ich für mich entschieden hatte, dass der Weg nicht weitergeht und ich für mich kämpfe, habe ich Frieden in mir gespürt und ich wusste: das ist der richtige Weg. Ich handele so, wie es sich für mich richtig anfühlt – und das soll mein Halt sein.

  • Meine Arbeit gut gemacht

Ich wollte weiter mein Bestes geben, damit ich mir in meiner Arbeitsleistung nichts vorwerfen und zufrieden mit mir sein kann und meinem Chef nicht die Möglichkeit biete, mir etwas vorwerfen zu können.

  • Respekt erweisen

Für mich gilt nicht „ wie du mir so ich dir“. Ich wollte mich vertreten und die Werte, die für mich wichtig sind, auch leben. So blieb ich ihm gegenüber immer respektvoll und höflich. So konnte ich mir auch hier nichts vorwerfen und mit meinem Verhalten zufrieden sein.

  • Abstand schaffen

Ich wurde ihm gegenüber sehr distanziert, war höflich, aber nicht freundschaftlich, weil er mir persönlich zu nahe kam. Sowohl körperlich als auch durch seine Worte. Ich bin auch wieder zum „Sie“ gewechselt, habe ihm gesagt, dass ich mich mit dem „Du“ unwohl fühle. Auch dadurch schaffte ich mir Distanz und brachte mich ein Stück weit in die Wohlfühlzone.

Er war darüber nicht erfreut, das hätte noch nie jemand gemacht und würde doch zum positiven Arbeitsklima beitragen. Er merkte noch an, er glaube, dass mein ehemaliger Arbeitgeber mich nicht mehr gewollt hätte, weil ich so eine kühle und unnahbare Art an mir habe. Aber ich vertraute nur meinem Gefühl. Egal was er sagt, für mich war Abstand schaffen die richtige Entscheidung.

  • Mich fügen

Ich glaube, es gibt Augenblicke, in denen man handeln muss und Augenblicke, in denen man hinnehmen muss. Ich habe manchmal hingenommen. Mein Ego ruhen lassen um den Frieden Willen. Nicht, weil ich nicht im Recht gewesen, sondern weil es einfach unnötig gewesen wäre. Soll er seine Energie vergeuden. Ich schenke ihm meine nicht mehr. Ich werde meine Konsequenzen ziehen – diese Tatsache hat mich beruhigt.

  • Problem ansprechen

Sofern du das Gefühl hast, dass es richtig und wichtig für dich ist, das Problem anzusprechen, solltest du es tun. Es kann die schwierigste Aufgabe überhaupt sein, aber die nötigste, um den inneren Frieden wieder herzustellen. Denn unausgesprochener Ärger staut sich auf und füllt dich mit einer ganzen Ladung negativer Energie, die du mit dir herumträgst.

Es gibt Menschen, die direkt und mit vollen Emotionen ihre Meinung Kund tun. Davon rate ich ab. Denn einem Angriff – selbst wenn du im Recht sein solltest – wird ziemlich wahrscheinlich ein Gegenangriff folgen und konstruktive Lösungen werden nicht möglich sein. Daher versuche, den Weg für Lösungen zu schaffen, indem du erklärst, was dich stört. Dabei solltest du sensibel und diplomatisch sein.

So gehst du vor

  • Richtiger Zeitpunkt (hat er viel Stress, viele Termine, ist er gerade in einem ausgeglichenen Zustand)
  • Richtiger Ort (am besten allein, bitte ihn evtl. um einen Termin, denn sonst könnte er das Gefühl haben, dass du ihn vor anderen bloßstellen willst)
  • Richtiges Maß (aufpassen, dass du nicht in Wut gerätst und persönlich angreifst. Bleib ruhig und zähle die relevanten Fakten auf, die das Problem betreffen. Hole keine längst vergangenen Verletzungen hervor. Bleibe aktuell)
  • Richtige Strategie (im Vorfeld überlegen, wie du das Problem ansprechen willst, rede aus deiner Perspektive „ich habe den Eindruck“, bleib ruhig und höflich, sofern es dir möglich ist)

Werde dir der Konsequenzen bewusst

Es ist ratsam, erst in Aktion zu treten wenn du das schlimmste Ergebnis durchgespielt hast. Dass ich mir keine Freunde mache, wenn ich ihn reize, war mir klar. Daher habe ich mir bewusst gemacht, mit welchen Konsequenzen ich zu leben hätte. Ich könnte gekündigt werden. Ich könnte psychisch belastet werden, weil er ausrastet. Ich habe es mir vorgestellt und es war ok. Nicht wünschenswert, aber einen Preis, den ich für meine Verteidigung zahlen würde.

Wenn du anderen vermittelst, dass dir das Ergebnis des Kampfes nicht viel bedeutet, verschwindet die Begeisterung für den Kampf, weil ihr Ziel: dich zu vernichten, nicht zum Tragen kommt. Ich habe etwas gefordert, obwohl mir mit Kündigung gedroht wurde und zeigte ihm, dass ich keine Angst habe und habe diesen kleinen Kampf tatsächlich gewonnen.

Das Wichtigste für dich und deinen inneren Frieden ist: hinterher sagen zu können, du würdest es genauso wieder machen.

  • Nicht aufgeben

Auch wenn du das Gefühl hast, es bringt nichts. Kämpfe weiter. Der Glaube wird zu dir zurückkommen. Ich habe viel geweint. Ich habe gewankt zwischen Mut und Angst, habe mich in einem Moment stark gefühlt und geglaubt, alles durchziehen zu können und im nächsten Moment kam der Zweifel, der mir das Gefühl gab, an allem zu scheitern. Irgendwie habe ich immer wieder Hoffnung gefunden. Es war nicht leicht für mich, aber nun steh ich da, zwar geschwächt und doch viel stärker als zuvor.

Lass dir Respektlosigkeit nicht gefallen

Meine Flucht aus der Höhle des Löwen

Ich habe zwei Wochen vor Ende der Probezeit einen neuen Job gefunden und gekündigt. Ich habe mich gefragt, ob ich meinem Chef die Wahrheit sagen soll – und habe es trotz Angst getan. Ich habe ehrlich und ruhig den Grund meiner Kündigung ausgesprochen.

Ich habe gesagt, dass ich die Atmosphäre unter ihm als so belastend empfinde, dass ich mir ein Arbeitsverhältnis auf Dauer nicht vorstellen kann. Darüber war er sehr aufgebracht, hat mich beschimnpft „(…) wenn hier jemand der Fremdkörper ist, dann sei ich das. Ich störe die ganze Atmosphäre. Er hat sich bei den Kollegen erkundigt, die das ebenfalls so sehen. Demnach war das die logische Konsequenz, dass ich irgendwann gehe, weil ich hier überhaupt nicht rein passe.“

Ich habe ihm nicht widersprochen, habe ihm sozusagen „die zweite Wange hingehalten“. Ich habe ihm gesagt, dass ich das annehme, wenn das seine Meinung darüber ist. Geglaubt habe ich ihm natürlich nicht, auch wenn ich wusste, was er damit gemeint hat. Er hat schon immer meiner ruhigere Art kritisiert, mit der er schwer umgehen konnte, weil er eben das Gegenteil ist. Ich wusste, wer ich bin und mir war klar, dass er die Schuld nie bei sich sehen würde. Meine Kollegen fanden es ganz schade, dass ich gehe.

Ich habe mir die letzte Ehre erwiesen und bin mit erhobenem Haupt gegangen. Und ich denke, ich habe ihn zum Nachdenken gebracht. Ob er sich ändert ist mir egal. Ich habe für mich alles richtig gemacht.

Vergiss nicht:

Egal wie der Kampf ausgeht, wenn du richtig gekämpft hast, hast du immer gewonnen.

Stehe für dich ein und finde zu deinem Frieden

Manchmal wirst du überraschend zu einem Kampf aufgefordert, den du nicht führen willst. Aber lass dir von anderen nicht sagen, wie du zu sein hast. Erlaube anderen nicht, die Macht zu haben, zu entscheiden, wie du leben sollst. Sobald du dich respektlos behandelt fühlst, höre auf dieses Gefühl und tue, was nötig ist.

Du bist für dich verantwortlich, so erweise dir selbst den Respekt und kämpfe für deine Freiheit. Stehe für dich ein. Akzeptiere nie, was inakzeptabel ist, akzeptiere nie Respektlosigkeit, weil du Angst hast, den Kampf zu führen oder weil du Angst hast, Sicherheit zu verlieren. Und warte nicht zu lange damit, weil dich jeder Stillstand unglücklicher macht und mit jedem Stillstand die Angst in dir wächst und damit der Mut verschwindet, für deine Freiheit zu kämpfen.

Und vergiss nicht, dass am Ende nicht die einzelne Schlacht, sondern der Ausgang des Krieges zählt, wie Paulo Coelho so schön sagte. „Wie auch immer der Kampf ausging, wenn dein Herz nun friedlich ist und du auf der richtigen Seite gekämpft hast, wirst du zufrieden und gestärkt hervorgehen.“

Ich habe versucht mit der Situation zurecht zu kommen, habe für mich gekämpft, habe meinen Chef meine Grenzen deutlich gemacht und mir Distanz geschafft. Es hat leider nicht ausgereicht – und ich habe meine Konsequenzen gezogen mit einem guten Gefühl.

Ich habe für mich gewonnen – Mut, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbewusstsein.

Falls du respektlos behandelt wirst, hoffe ich, dass ich dir ein paar Tipps geben konnte, wie du dich aus dieser Situation befreien und dir den Respekt erweisen kannst, den du verdienst: nämlich dir einen solchen Umgang nicht gefallen zu lassen.

Ich wünsche dir alles Gute.


Weiterführende Links:

  • Was Respektlosigkeit in Beziehungen anrichten kann, liest du auf Partnerwerk

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2 thoughts on “In der Höhle des Löwen – Mit Respektlosigkeit umgehen”

  1. Liebe Bettina,

    danke für den ehrlichen Beitrag. Schön, wie du das rational aufgearbeitet und für dich die Verantwortung übernommen hast, trotz aller damit verbundenen Ängste und Widerstände. Ich finde es super wie du das gelöst hast. Das ist ein mutmachendes und nachahmenswertes Beispiel, wie ich meine. Mein Respekt…

    Liebe Grüße von Matthias

    1. Lieber Matthias,

      ganz lieben Dank für deine aufbauenden und bestärkenden Worte. Da ich auch Angst hatte, mit diesem Beitrag an die Öffentlichkeit zu gehen, tun sie mir sehr gut.

      Liebe Grüße
      Bettina

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