Warum Probleme, die du in anderen siehst, in dir sind

Und wie du in 3 Schritten dein Problem enttarnst

Der Streit mit dem Partner, die Wut auf die Freundin, der Ärger im Geschäft oder der Unbekannte im Straßenverkehr, der dich aufregt – im Leben gibt es viele Dinge, die dich auf die Palme bringen und oft findest du auch einen Schuldigen dafür.

Aber soll ich dir was sagen?

Alles, was dir an Problemen begegnet, ist in dir.

Natürlich gehören zu einem Streit auch immer zwei dazu, aber wenn dich etwas aufregt, hast du ein Problem mit etwas. Auch wenn du jemand anderen dafür verantwortlich machen willst oder jemand anderen ändern willst, weil er deiner Meinung nach die Ursache für das Problem ist. Auch wenn du über jemanden schimpfst und herziehst, weil es für dich offensichtlich ist, dass er Schuld an der Sache trägt, die dich so in Rage versetzt.

Ja okay – das wäre auch eine Möglichkeit: Du schaffst das Problem aus dem Weg, in dem du das Äußere so veränderst, bis es dir gefällt. Du willst Menschen verändern. Meinungen. Eigenarten. Anderen vorschreiben, wie sie zu sein haben. Wenn dann alle tun, was du willst, bist du zufrieden und musst dich nicht mehr aufregen.

Bei Abläufen kann das gut funktionieren.

Zum Beispiel beim Optimieren von Workflows. Da ist das Anpassen der äußeren Umstände an deine Bedürfnisse die tatsächliche Lösung eines Problems. Du veränderst etwas dahingehend, dass alles reibungsloser verläuft. Wenn du das schaffst, hast du einen dauerhaften Zustand erreicht, der das Problem beseitigt hat.

Nur mit Menschen funktioniert das nicht.

Du kannst Probleme nur selbst lösen

Warum dein Problem nicht gelöst ist, wenn du Menschen änderst

Menschen sind Individuen. Mit eigenen Vorstellungen, Meinungen, Werten, Stärken und Schwächen. Es wird dir schwer gelingen, die Menschen so zu verändern, wie du sie haben willst, damit sie dich nicht mehr aufregen. Wenn überhaupt, ist das nur sehr provisorisch möglich, weil du durch diesen Lösungsansatz nicht das Problem angehst – sondern das Symptom. Du beseitigst den Auslöser, veränderst das Verhalten der Menschen, damit sie dich nicht mehr aufregen, aber nicht die Ursache. Den Grund, warum sie dich aufregen.

Denn es ist nicht ihr Verhalten, sondern deine Reaktion über dieses Verhalten, die dein Problem ist.

Du glaubst aber, dass eine Veränderung ihres Verhaltens die Lösung ist. Bis der nächste Mensch mit dieser Eigenart oder Verhaltensweise um die Ecke kommt und du wieder auf dasselbe Problem triffst und denkst: Mensch, das hab ich doch schon mal erlebt! Schon wieder gerate ich an solche Menschen!

Kommt dir bekannt vor?

Wenn ich Schmerzmittel verabreiche, um den Schmerz einer Tumorerkrankungen zu nehmen, verschwindet nicht der Tumor, auch wenn der Schmerz vergeht. Ich habe lediglich das Symptom behandelt und für eine Weile ausgeschaltet, sodass ich Frieden finde. Der Tumor ist immer noch da.

In 3 Schritten das Problem in dir enttarnen

Alles was dich im Leben aufregt, womit du unzufrieden bist, die Menschen, die dich nerven – all das bist du. All das wird in dir zum Problem.

Überprüfe das selbst und gehe in dich:

Schritt 1: Person benennen, mit der du ein Problem hast

Mit wem hast du aktuell ein Problem, wer nervt dich oder regt dich auf?
Benenne diese Person.

Schritt 2: Verhalten benennen, das dich aufregt

Wieso regt diese Person dich auf, was ist der Grund?
Benenne das Verhalten, das dich stört.

Und jetzt gehe noch tiefer in dich

Schritt 3: Nach der wahren Ursache suchen, warum du dich aufregst

Frage dich, nun ob es nicht du bist, der diesen Umstand zum Problem macht:

  • Nimmst du etwas zu persönlich, fühlst dich in deinen Werten / Vorstellungen angegriffen?
  • Stellst du Erwartungen / Forderungen, die von anderer Seite nicht erfüllt werden und ärgerst dich, weil du nicht bekommst, was du willst?
  • Bist du enttäuscht über etwas, z. B. dass das, was du geplant oder vorhattest, über den Haufen geworfen wurde, weil jemand unpünktlich oder unzuverlässig ist?
  • Bist du unzufrieden mit dir und projizierst deine Unzufriedenheit auf andere? Du kritisierst beispielsweise etwas an anderen, was du in Wahrheit selbst gerne hättest oder was du an dir ablehnst? Oder du missachtest regelmäßig deine eigenen Bedürfnisse (überforderst dich, bist übermüdet oder hungrig) – deswegen unzufrieden und leicht reizbar?
  • Ärgerst du dich über dein schwaches Selbstbewusstsein? Über deine leichte Beeinflussbarkeit, wenn du unter Menschen bist, die dominanter sind oder ein größeres Selbstbewusstsein haben als du und du dich unterdrücken lässt, anstatt zu dir selbst zu stehen?

Fühlst du dich ertappt?

Wann immer ein Mensch dir als Problem begegnet, forsche in dir nach der Frage.  Nach der Frage, warum du dich aufregst. Welches Problem, das du in dir trägst, dir gespiegelt wird. Sei ehrlich mit dir und du wirst die Antwort finden.

Mit diesem Wissen wirst du freundlicher mit deinen Mitmenschen umgehen, gerade wenn sie dich aufregen, weil du erkennst, dass sie gar nicht Schuld an dem Problem sind. Ja, sie mögen sich vielleicht nicht so verhalten, wie du es dir wünschst, aber im Grunde können sie nichts dafür, dass du dich aufregst.

Denn es ist dein Problem.

Und nur, wenn du es in dir löst, wird es dich im Außen nicht mehr stören.

Kennst du Menschen, zu denen du mit deinem aktuellen Problem gehst und die zu dir sagen: „ach, das ist doch nicht schlimm“, „lass sie doch“, „reg dich nicht auf“ und du fragst dich, wie sie so gelassen bleiben können? Diese Menschen haben das Problem nicht in sich und würden sich bei einem Verhalten ihnen gegenüber nicht so aufregen wie du. Es ist nicht in ihnen!

Löse dich vom Problem

5 Dinge, die du aus deinen Alltagsproblemen lernen kannst

Nun kannst du dieses Wissen dazu nutzen, deine Probleme anzugehen und mit der Zeit aufzulösen. Je nach dem was dein Problem ist, kannst du lernen:

1. Nichts mehr so persönlich zu nehmen

So wie du in jemandem ein Problem siehst, der dich aufregt, sieht jemand in dir ein Problem, der dich persönlich angreift. Nun hast du gelernt, dass nicht du das Problem bist, sondern diese Person durch dich an ein Problem erinnert wird, das sie in sich trägt.

Wenn dich jemand persönlich angreift und dich diese Person deshalb nervt, erinnere dich daran: es hat nichts mit dir zu tun. Diese Person hat ein Problem in sich. Du bist nur der Spiegel und sie will dich im Außen verändern (zum Beispiel durch Vorwürfe/Schuldzuweisung), damit ihr das Problem nicht mehr begegnet. Aber es ist nicht die Lösung. Wie bei einem Tumor. Wenn der Schmerz behandelt wird, ist der Tumor immer noch da. Deswegen: Nimm es nicht persönlich.

2. Erwartungen herunter schrauben

Du kannst nicht erwarten, dass andere sich für dich ändern. Dass du die Welt so drehen kannst, dass sie dir gefällt und du auf keine Widerstände mehr triffst. Stell dir vor, das würde jeder so machen. Das würde weder funktionieren, noch hättest du Verständnis dafür, habe ich recht? Denn auch du willst dich nicht für einen anderen verändern, nur damit du ihm gefällst.

Lerne, dass jeder Mensch das Recht hat, sich zu leben. Akzeptiere Menschen, wie sie sind und lerne mit den Menschen und ihren Eigenarten umzugehen. Du musst nicht jeden mögen, aber einen respektvollen Umgang kann man trotzdem miteinander haben.

3. Spontan sein

Wenn ein Mensch Auslöser dafür ist, dass dein Plan durcheinandergekommen ist und dich das aufregt, dann lerne, von deinen starren Plänen loszulassen. Es ist, wie es ist. Wenn sich der Plan geändert hat (weil jemand zu spät kam, etwas vergessen hat zu erledigen,…), dann passe dich an und nimm den geänderten Plan an. So ist das Leben. Nicht alles läuft wie gewünscht. Wenn du dich darüber aufregst, kannst du es auch nicht ändern. Du kannst nur die Einstellung zu dieser Tatsache ändern. Dann wird eine spontane Veränderung für dich nicht mehr zum Problem werden.

4. Veränderungen schaffen

Wenn du erkennst, dass du deine Unzufriedenheit auf andere projiziert hast, dann hinterfrage den wirklichen Grund. Worüber bist du unzufrieden und was kannst du in deinem Leben verändern, um diese Unzufriedenheit aufzulösen? Wenn sich nichts verändert und alles bleibt, wie es ist, wirst du deine Unzufriedenheit weiter in dir tragen. Schaffe Veränderung. Im Außen oder im Inneren, durch tatsächliche Veränderung oder deine Einstellung zu dem Aspekt, der dich unzufrieden macht.

5. Selbstbewusstsein stärken

Wenn du dich darüber ärgerst, dass du so leicht beeinflussbar bist, du nicht stark genug bist, du selbst zu sein und zu dir selbst zu stehen, ist es Zeit, an deinem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Lass los von dem Wunsch, anderen gefallen zu wollen. Lass los von den Gedanken, immer schuld an etwas zu sein und hör auf, die Schuld für alles auf dich zu nehmen. Sei stark. Sei du selbst. Steh zu dir und tue das, was sich für dich richtig anfühlt. Wenn andere deine Meinung nicht vertreten oder dein Verhalten nicht verstehen, dann lass sie. Sie sind womöglich nur enttäuscht, weil du ihre Erwartungen nicht erfüllst. Wichtig ist, dass du mit dir zufrieden bist und so handelst, wie es sich für dich richtig anfühlt.

VERGISS NICHT:
Wann immer du das Problem in deinem Inneren gelöst hast, wirst du es im Außen nicht mehr antreffen. Alles ist in dir. Beginnt in dir und hört auf in dir.

Welches Problem ist dir heute begegnet und welche Erkenntnis hast du daraus mitgenommen?


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8 thoughts on “Warum Probleme, die du in anderen siehst, in dir sind”

  1. Liebe Bettina,
    herzlichen Dank für dieses wichtige Thema. Du schreibst sehr gezielt und ohne Romane daraus zu machen. Wunderschön. Jeder kennt die beschriebenen Problem nur zu gut.
    Ich selber auch. Eigenartig ist nur, dass man von selber nur selten auf die Lösungen kommt.
    Ich bin mir sicher, dass viele Menschen bis zu ihrem Lebensende mit derartigen Problemen zu „kämpfen“ haben.
    Für mich habe ich einmal versucht, eine tägliche Übung zu finden, eine Situation, die ich selber herbeiführen und an der ich mein Verhalten üben kann.
    Hier meine Methode (hat bei mir gut funktioniert):
    Im täglichen Fernsehen laufen ja immer mal wieder Beiträge, die einen so richtig aufregen können. Politik ist da ein beliebtes Thema. Wer hat sich nicht schon mal am Fernseher über unsere Politiker aufgeregt. Nun ist es ja genau das beschriebene Problem. Die Politiker kann ich nicht ändern . . . Aber mich selber.
    Wenn man es nun hinbekommt (durch tägliches Üben und dem intensiven Verinnerlichen Deines Artikels, Bettina), diese Fernsehberichte gleichmütig und gelassen einfach nur anzusehen und emotionslos zu bleiben, hat man schon sehr viel gewonnen.

    Hilfreich ist auch eine gute Tasse Kaffee oder Tee, die man nebenbei Schluck für Schluck genießt ;-)

    Liebe Grüße von der Ostsee
    Sören

    1. Lieber Sören,

      ich danke dir für deine Worte. Was für ein schönes Kompliment!

      Vielleicht liegt es daran, dass sich viele nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigen, zwar das Problem wahrnehmen, aber nicht nach einer Lösung suchen oder das Problem hinterfragen. Eventuell würden sie dann selbst auf Lösungen kommen :) So wie du auch einen Weg gefunden hast! Vielen Dank für diese Übung. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch anderen helfen kann. Denn wie du sagst, hat sich sicherlich jeder schon mal über die Politik aufgeregt und kann jederzeit auf diese Übung zurückkommen, in dem er den Fernseher anschaltet. Ich werde sie auch ausprobieren, plus die hilfreiche Tasse Kaffee oder Tee (und einen Keks? ;) )

      Vielen Dank nochmal und liebe Grüße aus dem Süden Deutschlands
      Bettina

  2. Hallo Bettina,

    an sich bin ich genau deiner Meinung und versuche auch immer so zu handeln. Ich habe mir gerade nur die Frage gestellt, ab wann dann einfach auch mal der Punkt erreicht ist wo man dies nicht mehr machen sollte und z. B. sich dann lieber von einer Person distanzieren sollte als immer und immer wieder zu sagen, dass diese Person so ist. Wie gesagt, es ist auch mir sehr wichtig andere mit ihren Schwächen so zu nehmen wie sie sind nur finde ich es zum einen sehr wichtig seine Grenzen aufzuzeigen und aber auch nach seinen Gefühlen zu handeln und dann z. B. auch mal einen Kontakt abzubrechen, denn wenn alle so handeln würden wie in deinem Artikel geschrieben, dann wäre das Leben glaube ich viel leichter und auch die Kommunikation mit den Mitmenschen. Das waren jetzt so meine Gedanken, denn dein Artikel hat mich zum nachdenken angeregt.

    1. Hi Felix,
      vielen Dank für deine Gedanken. Es geht hier vor allem um jene Menschen, die in deinem Leben sind und denen du nicht oder nur schwer ausweichen kannst. Zum Beispiel Familie, Bekannte oder Kollegen. Ich bin absolut deiner Meinung, dass man mit Menschen, unter denen man sich nicht wohlfühlt, nicht seine Zeit verbringen sollte. Von ihnen sollte man sich distanzieren und wenn es doch unausweichlich ist, einen Umgang finden, der einen nicht unnötig aufregt.
      Liebe Grüße
      Bettina

  3. Liebe Bettina,
    ich danke dir für deine Texte. Ich finde mich sehr oft in ihnen wieder. So wahr und mitfühlend!
    Sei lieb gegrüßt, aus dem Harz,
    Carmen

    1. Liebe Carmen,
      ich danke dir! Das tut so gut zu hören!
      Auch dir ganz liebe Grüße in den Harz.
      Bettina

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