Wenn der Mut zum Leben fehlt

Eine Auswahl meiner Gedichte, die ich in einer Phase schrieb, in der ich nicht fähig war, zu mir selbst zu stehen. An diesem Zustand zerbrach ich innerlich.

Unfähig

Wieder mal gescheitert und gegen mich verloren.
Ich bin mir selbst nicht treu gewesen;
wie jedes Mal, wenn ich nach vorne greifen will,
verliere ich den Weg und stehe still.
Ich war unfähig „nein“ zu sagen,
war unfähig mich selbst zu fragen,
war verunsichert im Leben,
war verunsichert mich selbst zuzugeben.
Ich unterdrücke mich, um nichts zu verlieren,
um keinen Fehler zu riskieren,
um mich mit anderen zu verstehen
und keinen Streit einzugehen.
Ich kämpfe gegen mich
und stehe nicht zu meinen Gedanken;
ich töte sie in kürzester Zeit
und begrabe meine Persönlichkeit.
Ich sage was ich nicht meine
und tue was ich nicht will;
lasse andere im Glauben zu sein, wie ich nicht bin
und verliere mich im Netz aus Lügen,
das meine Wahrheit gefangen hält.
Ich bin nicht der Mensch, wie es scheint;
ich denke nicht so, wie jeder meint.
Ich habe gegen mich selbst gekämpft
und sterbe nun in mir;
wenn ich mich jetzt nicht besiege
werde ich mich ganz verlier‘n.

(2006)

Träume

An der Küste der vergangenen Träume
begrub ich auch meine nie gelebten;
sie kannten nur die Räume,
durch die sie lange Zeit nur schemenhaft schwebten.
Ich weiß selbst nicht warum;
warum kämpfte ich nicht für sie?
Meine Stimme war stumm – daher lebten sie nie.
Ich setzte mich nicht für sie ein
und versuchte nicht, sie zu realisieren,
obwohl ich doch eigentlich wusste:
wer nicht kämpft, kann nur verlieren.
Darum darf ich mich nicht beschweren,
denn ich habe sie nicht leben lassen;
ich habe zu lange gewartet
– die Träume konnten nur verblassen.
Und nun sitz‘ ich hier,
bin ärgerlich über mich;
meine Träume – so schön geträumt…
und ich ließ sie einfach im Stich.

(2004)

Meine  Freunde

Sie haben sich verändert und passten nicht mehr zu mir;
ich veränderte mich für sie, damit ich sie nicht verlier.
Ich habe eine Lüge begonnen – sie hat mich zerstört,
habe meine Freunde und mich belogen und nicht auf meinen Verstand gehört.
Ich spielte ein Spiel, von dem ich wusste, ich würde es nie gewinnen;
ich lebte eine Rolle, die nie für mich gemacht war.
Ertrunken im falschen Schein, von dem ich mich blenden ließ;
er führte mich im falschen Glauben – bis ich auf die Dunkelheit stieß.
Mir wurde bewusst, dass ich nicht bin, wer ich war,
ich lebte eine Lüge und sah nicht die Gefahr.
Zu entfliehen, von dem falschen Weg,
zu gehen, wo ich befreit bin;
überall der falsche Trug – und nichts führt mich zum Ausgang hin.
Zu lange dieses Spiel gespielt – zu lange sie belogen,
zu lange mein eigenes Herz und meine Treue betrogen.
Hilf mir, ich habe mich verloren und verschwinde in der Dunkelheit,
hilf mir raus aus dieser Lüge,
hilf mir leben – in Wahrheit und Wirklichkeit!

(2005)

Wer bin ich??

Ich bin hilflos;
kenne mich nicht mehr;
versuche ich selbst zu sein – versuche es so sehr,
doch ich weiß nicht mehr wer ich bin;
wo gehöre ich eigentlich hin?
Ich suche mich, doch ich komme nicht fort,
ich will an einen anderen Ort;
fremd für Jedermann
und wo ich mal ich sein kann.
Ich will neu anfangen,
zu mir selbst gelangen,
doch hier schaffe ich das nicht,
denn hier habe ich schon ein Gesicht.
Wie schön muss es sein,
leben zu können, wie man mag,
man selbst sein zu können – jeden Tag.

(2004)

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