Brief an die Seele

Liebe Seele,

du bist ein Teil von mir, darum pass ich gut auf dich auf;
ich will dir die Freiheit geben, die du suchst,
will dich loslassen und dir deine Flügel geben, die ich zum Fliegen brauch.

Ich will dir genug Ruhe geben im Auf und Ab meines Alltags,
um dich zu schützen und zu heilen von den unsichtbaren Wunden,
die mir im Laufe meines Lebens zugefügt werden.
Die mir zusetzen – und dich somit verletzen.
Zeit, die ich mir für dich nehmen muss.
In den hellen und vor allem in den dunklen Stunden,
damit der Schutzwall zu dir nie in Trümmern liegt
und damit niemals das letzte Licht, das dich am Leben hält, in der Dämmerung verfliegt –
nur weil ich dich vernachlässigt habe.

Liebe Seele,

ich will dich nicht überfordern und nicht unterfordern,
ich will dir deine Kreativität entlocken, die dir Flügel schenkt
und die mich ebenfalls befreit und aus dem Alltag lenkt.

Liebe Seele,

es tut mir leid, dass ich dich manchmal einenge – ungewollt,
wenn ich dich vergesse und Oberflächlichkeiten, Lügen und
der falsche Schein der Welt über meinen Verstand walten.
Dann geht es mir schlecht, doch ich erinnere mich wieder an dich
und versuche, mich zu retten, um dich am Leben zu erhalten.

Liebe Seele,

wenn es dir gut geht, geht es mir gut.
Wenn du unglücklich bist, kann ich nicht glücklich sein.
Manchmal bist du traurig und um den Schein zu wahren lache ich
und stehe gleichzeitig neben mir und weine um dich.
Ich muss auf dich Acht geben, mein Leben lang, denn du bist mein Leben.
Wenn du eingeengt bist, in meinem Gefängnis, gehst du ein
und wir sterben gemeinsam. Langsam. Du in mir und ich mit dir…

Liebe Seele,

bitte verzeih mir, wenn ich meine Aufgabe nicht immer erfülle,
aber ich will dir ein guter Freund sein, solange du in mir wohnst.

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